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Oscar Tietz

Vater des deutschen Kaufhauses

Das bewegte Leben des Kaufhauspioniers und Hertie-Gründers Oscar Tietz. Ein Mann, der das moderne Kaufhaus begründete und von den Nazis aus den Geschichtsbüchern getilgt werden sollte.

Hermann TietzSpross einer Kaufmannsdynastie

Oscar Tietz wurde am 18. April 1858 in Birnbaum an der Warthe (Provinz Posen) als Sohn von Jakob und Johanna Tietz in eine jüdische Kaufmannsfamilie geboren. Die Stadt Birnbaum, welche den heutigen Namen Miedzychod trägt, ist ein Teil der Provinz Großpolen und wird mittlerweile als Wiege des deutschen Kaufhauses bezeichnet - und Oscar sollte einen großen Teil zu diesem Titel beitragen.

Aufstieg zum Kaufhauspionier

Seine Lehr- und Wanderjahre verbrachte der junge Oscar seit seinem 13. Lebensjahr in den Niederlassungen der weit über Posen hinaus verstreuten Familie Tietz, wo er das Kaufmannshandwerk von der Pike auf lernte. Während sein älterer Bruder Leonhard bereits 1879 in Stralsund ein eigenes Geschäft eröffnete (aus dem später die Handelskette Kaufhof entstehen sollte), entschloss sich Oscar sein Glück in Gera zu suchen. Dort gründete er 1882, im Alter von grade einmal 23 Jahren, das Garn-, Knopf-, Posamentier-, Weiß- und Wollwarengeschäft Hermann Tietz - mit Hilfe seines Onkels Hermann Tietz, der das Grundkapital und seinen Namen beisteuerte. Damit hatte Oscar nicht nur den Grundstein für die Firma Hertie, sondern auch für die deutschen Kaufhäuser im Allgemeinen gelegt - viele Merkmale, die später der Standard für die meisten Kaufhäuser werden sollten, fanden sich damals bereits bei Tietz: ein breites Sortiment, Sofortzahlung und Festpreise.



Erfolg als Unternehmer und Enteignung

In den folgenden Jahren baute Oscar das Unternehmen Hermann Tietz zu einem der größten Kaufhausketten Europas aus. Aus dem wachsenden Geschäft war irgendwann die Notwendigkeit entstanden, die Interessen der Kaufhausbetreiber stärker zu bündeln. Aus diesem Grund gründete Oscar 1903 den Verband Deutscher Waren- und Kaufhäuser (VDWK) und 1919 die Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels (HDE). Der HDE (jetzt: Handelsverband Deutschland) ist heute mit rund 400.000 selbständigen Unternehmen, knapp 3 Millionen Beschäftigten und jährlich über 420 Milliarden Euro Umsatz der Spitzenverband des deutschen Einzelhandels.

Enteignung und Vermächtnis

Oscar Tietz, Zeit seines Lebens Förderer des Hilfsvereins der deutschen Juden und der Gesellschaft der Freunde, verstarb 1923 im alter von 64 Jahren und wurde in der Familiengrabstätte auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Nach Oscars Tod führten seine Erben das Unternehmen bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgreich weiter - unter dem NS-Regime wurde das Unternehmen, wie auch das Vermögen der Familie Tietz, enteignet und nach völkischer Ideologie arisiert. Das Unternehmen beschäftigte 1930 bereits mehr als 16.500 Mitarbeiter. Der Firmename, welcher zu Hertie (für Hermann Tietz) verkürzt wurde, prägte in dieser Form auch nach dem Krieg das Bild deutscher Kaufhäuser - als Sinnbild des von Oscar Tietz erdachten, günstigen Volkswarenhauses.

Mehr über die Geschichte der Kaufhäuser erfährt man in unserer Infografik, eine Übersicht über die ehemaligen Hertie-Häuser hier.

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